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Nextcloud: Lesezeichen synchronisieren mit Chrome/Firefox

Logo Nextcloud Bookmarks

Mit Nextcloud kann jedermann seine persönliche Cloud betreiben, ohne dabei von den großen Cloud-Anbietern abhängig zu sein. Beim Thema Cloud denken viele zunächst einmal an eine Datei-Ablage, die von überall aus erreichbar ist. Doch Nextcloud hat hier deutlich mehr zu bieten. Die eigene Cloud kann nach Belieben mit Apps erweitert werden. Nicht nur eine Verwaltung von Kontakten und Kalendern ist hier möglich, sondern auch das Speichern der eigenen Browser-Lesezeichen.

Der folgende Artikel zeigt, wie Lesezeichen in der eigenen Nextcloud gespeichert werden und mit Chrome/Chromium und Firefox synchronisiert werden können.

Voraussetzung für dieses Tutorial ist die Verwendung der Nextcloud-App „Bookmarks“ ab der Version 0.14. Ältere Versionen der App sind nicht empfehlenswert, da hier noch keine Ordnerstruktur bei der Verwaltung von Lesezeichen unterstützt wurde.

Übrigens: Wer nur Firefox nutzt und nicht nur Lesezeichen, sondern auch andere Einstellungen (Addons, Chronik, etc.) synchronisieren möchte, der kann auch einen eigenen Sync Server für Firefox auf dem eigenen Server betreiben. Wie dies gemacht wird, ist im Artikel Eigener Firefox Sync Server mit nginx beschrieben.

Update-Historie (letztes Update 02.05.2019)
  • 02.05.2018:
    • Hinweis für Firefox-Nutzer hinzugefügt, dass alle Browser-Einstellungen (und damit auch Lesezeichen) über einen eigenen Firefox Sync Server synchronisiert werden können.

 

Bookmarks-App in Nextcloud aktivieren

Damit Nextcloud Lesezeichen verwalten kann, ist zunächst einmal die App „Bookmarks“ notwendig. Diese ist schnell in der eigenen Cloud installiert. Im Nextcloud App Store findet man die App unter der Kategorie Organisation:

Die Bookmarks App in Nextcloud App Store

Die Bookmarks App in Nextcloud App Store

Nach einem Klick auf Herunterladen und aktivieren und einem Refresh der Seite sollte man in der oberen App-Leiste die Bookmarks-App finden (der Stern).

Überblick über die Bookmarks-App

Die App macht zunächst, was man auch erwarten würde: Lesezeichen speichern. Das Ganze gestaltet sich recht intuitiv, daher gibt es bei der App auch wenige Einstellungen.

Die Bookmarks-App ist recht intuitiv zu bedienen

Die Bookmarks-App ist recht intuitiv zu bedienen

Lesezeichen können dabei auf mehrere Arten hinzugefügt werden:

  • Durch die Schaltfläche oben links (+ Lesezeichen hinzufügen) und direkte Eingabe der URL.
  • Mit einem sog. Bookmarklet: Dazu einfach die Einstellungen der App öffnen (siehe Pfeil im oberen Screenshot). Anschließend kann man den Button Hinzufügen zu Nextcloud z.B. in die Lesezeichen Symbolleiste ziehen. Wenn man nun eine interessante Webseite gefunden hat, kann man nun einfach auf die Schaltfläche Hinzufügen zu Nextcloud (Pfeil im unteren Screenshot) klicken. Es öffnet sich ein Popup, in dem man weitere Daten angeben kann (z.B. Titel des Lesezeichens) und den Bookmark in die Cloud übernehmen kann.
  • Wenn man Bookmarks als HTML aus einem Browser exportiert hat, kann man diese hier über die Schaltfläche Import in der Bookmarks-App importieren.
Hinzufügen eines Lesezeichens mit dem "Bookmarklet"

Hinzufügen eines Lesezeichens mit dem „Bookmarklet“

Die angelegten Lesezeichen können nun einfach durch einen Klick aufgerufen werden.

Seit der Version 0.14 unterstützt die Bookmarks App das Verwalten der Lesezeichen in einer Ordnerstruktur. Neue Ordner können dabei auf der linken Seite einfach angelegt werden.

Ebenso kann man Lesezeichen Tags zuweisen, um diese leichter zu kategorisieren.

Synchronisierung mit Chrome/Firefox

Lesezeichen werden eigentlich direkt im Browser gespeichert, damit man diese beim Surfen immer schnell und unkompliziert aufrufen kann. Der Umweg über die Web-Oberfläche von Nextcloud zum Aufrufen von Lesezeichen ist hier etwas umständlich.

Daher sollen die Lesezeichen im nächsten Schritt mit dem Browser synchronisiert werden. Ich beschränke mich hier auf die populärsten Browser: Chrome und Firefox. Für diese beiden Browser gibt es jeweils das Add-On floccus, mit dem diese Aufgabe realisiert werden kann.

Vorbereitung für die Lesezeichen-Synchronisierung mit floccus

Bevor wir das Add-On nun installieren und die Synchronisierung mit Nextcloud einrichten, sollen noch einige Vorbereitungen getroffen werden.

Im Browser vorhandene Lesezeichen werden am besten erst einmal als HTML-Datei exportiert. In Chrome geschieht dies über den Lesezeichen-Manager, bei Firefox über die Option Lesezeichen verwalten. Diese exportieren Lesezeichen können dann später auch in der Nextcloud Bookmarks-App importiert werden.

Den Export sollte man in jedem Fall ausführen: Zum einen können dann keine Lesezeichen verloren gehen, sollte bei der ersten Synchronisierung etwas schief laufen. Zum anderen können die Lesezeichen dann später in einem Rutsch per Browser nach Nextcloud übernommen werden.

Lesezeichen-Export in Firefox

Lesezeichen-Export in Firefox

Wer seine Lesezeichen vorher immer über den Mozilla- bzw. Google-Account synchronisiert hat, kann dieses Feature nun ausschalten, da die Lesezeichen ab nun ausschließlich mit der eigenen Cloud synchronisiert werden sollen. Da werden alle Lesezeichen zunächst einmal gelöscht, damit diese dann beim nächsten Sync aus den Clouds von Mozilla bzw. Google verschwinden.

Anschließend wird die Lesezeichen-Synchronisierung im Browser deaktiviert. Bei Firefox kann man diese Option unter den Einstellungen bei Firefox-Konto finden. Hier einfach unter den Sync-Einstellungen die Option Lesezeichen deaktivieren.

Firefox: Lesezeichen-Synchronisierung ausschalten

Firefox: Lesezeichen-Synchronisierung ausschalten

Da die Synchronisierung nun nicht mehr über das Firefox-Konto bzw. die Google-Cloud läuft, können die als HTML-Datei exportierten Lesezeichen wieder im Browser importiert werden. Diese sind dann für den Moment nur lokal im Browser verfügbar, aber das ändern wir gleich im Anschluss.

Installation und Einrichtung von floccus

Das Add-On kann einfach im Chrome Web-Store bzw. im Firefox Add-ons dem jeweiligen Browser hinzugefügt werden. Beispielhaft beschreibe ich hier die Vorgehensweise für Firefox, unter Chrome läuft die Einrichtung allerdings analog ab.

In der Add-On-Verwaltung von Firefox sucht man dazu einfach nach „floccus“ und installiert die Erweiterung einfach über die Schaltfläche Zu Firefox hinzufügen.

floccus bei Firefox Add-ons

floccus bei Firefox Add-ons

Direkt nach der Installation des Add-Ons macht sich floccus mit einem Icon in der Browser-Toolbar bemerkbar, mit dem Accounts hinzugefügt werden können.

floccus in der Toolbar von Firefox

floccus in der Toolbar von Firefox

Beim Klick auf dieses Icon öffnet sich ein Menü, in dem man einen Account über die Schaltfläche Add Account hinzufügen kann. Für Nextcloud stehen hier zwei Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung: Einmal Nextcloud Bookmarks (legacy) – dies ist die richtige Option, wenn noch eine ältere Version der Bookmarks-App verwendet werden soll. Für diese Anleitung ist die Option Nextcloud Bookmarks (with folders) die richtige.

Nach einem Klick auf die Schaltfläche Add Account gibt man nun einfach die URL der eigenen Nextcloud (z.B. https://meinedomain.de/nextcloud) und Benutzername/Passwort an.

Hinweis für Firefox unter Linux: Momentan gibt es hier manchmal ein Problem mit floccus unter Linux. Hier stürzt das Add-On ab, wenn man hier die Passwort-Textbox aktivieren will. Hier kann man den Account nur an anderer Stelle hinzufügen. Dazu einfach über das Firefox-Menü den Punkt Add-ons aufrufen. Anschließend gibt es hier neben floccus den Button Einstellungen. An dieser Stelle können nun Accounts hinzugefügt werden, ohne dass das Add-On abstürzt.

Wenn man den Account nun mit den Standard-Einstellungen hinzufügt, ist das Ergebnis vermutlich nicht wie erwartet. floccus fügt dann nämlich im Lesezeichen-Menü einfach einen Ordner für diesen Account an und synchronisiert alle Lesezeichen einfach in diesen Ordner. Wenn man Lesezeichen nicht unbedingt über mehrere Nextcloud-Instanzen verteilt, dies sicher nicht das gewünschte Verhalten. Daher…

floccus-Tipp: Lesezeichen im Lesezeichen-Menü bzw. der Lesezeichen-Symbolleiste

Damit die Lesezeichen genau so verhalten, als hätte man diese direkt über den Sync-Mechanismus des Browsers synchronisiert hätte, ist noch ein kleiner zusätzlicher Schritt notwendig.

Hier bedarf es zunächst einmal einer Trennung zwischen den normalen Lesezeichen (die dann im Lesezeichen-Menü des Browsers zu finden sein sollen) und den Lesezeichen, die dann in der Lesezeichen-Symbolleiste angezeigt werden sollen. Dazu legen wir uns in der Nextcloud Bookmarks App einfach zwei Ordner an, z.B. Lesezeichen für die normalen Lesezeichen und FavBar für die Lesezeichen-Symbolleiste.

Vorbereitung der Browser-Synchronisierung

Vorbereitung der Browser-Synchronisierung

Der eigentliche Trick ist nun, einfach zwei Accounts für die Lesezeichen-Synchronisierung hinzuzufügen: Einen für die normalen Bookmarks und einen weiteren extra für die Lesezeichen-Symbolleiste.

Für die normalen Lesezeichen wählt man beim Hinzufügen eines Accounts einfach das Lesezeichenmenü als Local folder:

  • Bei Firefox heißt der Ordner „Lesezeichen-Menü“.
  • Bei Chrome muss man hier „Weitere Lesezeichen“ wählen.

Unter Server folder ist hier das Verzeichnis der Nextcloud Bookmarks App anzugeben, welches man zuvor angelegt hat. In diesem Beispiel ist dies einfach /Lesezeichen (man beachte den Slash am Anfang). Die Option Run sync in parallel kann man an dieser Stelle auch noch gleich aktivieren, dann werden sämtliche Sync-Vorgänge parallel ausgeführt.

floccus: Sync-Einstellungen für Firefox (Lesezeichen-Menü)

floccus: Sync-Einstellungen für Firefox (Lesezeichen-Menü)

Für die Lesezeichen der Lesezeichen-Symbolleiste fügt man nun einen zweiten Account mit folgenden Daten hinzu:

  • Firefox:
    • Local folder: Lesezeichen-Symbolleiste
    • Server folder: /FavBar (wichtig ist hier der Slash am Anfang).
  • Chrome:
    • Local folder: Lesezeichenleiste
    • Server folder: /FavBar (wichtig ist hier der Slash am Anfang).
floccus: Sync-Einstellungen für Firefox (Lesezeichen-Symbolleiste)

floccus: Sync-Einstellungen für Firefox (Lesezeichen-Symbolleiste)

Wenn man die beiden Sync-Einstellungen festgelegt hat, muss man diese noch aktivieren (Option enabled):

floccus: Synchronisierung einschalten

Erstbestückung der Nextcloud-Lesezeichen mit dem Browser

Wenn die Einrichtung von floccus wie beschrieben durchgeführt wurde, können nun sämtliche Lesezeichen, die wir zuvor als HMTL-Datei exportiert haben, in einem Rutsch in die Cloud übernommen werden.

Dazu sorgen wir zunächst einmal dafür, dass in der Cloud keine Lesezeichen mehr gespeichert sind. Dazu nutzen wir in der Nextcloud Bookmarks-App einfach den Button Lesezeichen löschen.

Im nächsten Schritt importieren wir die HTML-Datei mit unseren Lesezeichen in den Browser (nicht in die Bookmarks-App). Bei der nächsten Synchronisierung mit floccus landen die Lesezeichen in der Nextcloud Bookmarks-App.

Zukünftig wird man neue Lesezeichen nun nicht in der Nextcloud Bookmarks-App, sondern wie gewohnt im Browser hinzufügen. Das Ganze verhält sich dann analog zum eingebauten Sync-Mechanismus von Chrome/Firefox. Der große Unterschied ist nun, dass die Lesezeichen nicht auf den Servern von Google oder Mozilla landen, sondern nur noch in der persönlichen Cloud gespeichert sind.

Bookmark-App für Smartphones

Einen Nachteil hat diese Lösung dennoch: Die Synchronisierung funktioniert nicht für die mobilen Varianten von Chrome/Firefox. Chrome lässt in der Mobil-Version keine Installation von Add-Ons zu. Bei Firefox wäre dies zwar kein Problem, jedoch funktioniert hier floccus (noch) nicht.

Zumindest für Android gibt es jedoch eine App speziell für Lesezeichen in der eigenen Cloud: Nextcloud Bookmarks

Diese ist im Google Play Store oder bei F-Droid (hier sogar kostenlos) erhältlich.

Die Nextcloud Bookmarks App unter Android

Die Nextcloud Bookmarks App unter Android

Leider ist mir momentan keine Lösung bekannt, um Nextcloud Bookmarks mit iOS-Geräten zu synchronisieren. Kennt ihr hier eine Möglichkeit? Hinterlasst mir dazu doch einfach einen Kommentar, ggf. werde ich den Artikel dann erweitern.

Fazit

Nach der einmaligen Einrichtung der Lesezeichen-Verwaltung mit der Nextcloud Bookmarks App, ist die Lesezeichen-Synchronisierung über die eigene Cloud genau so einfach und intuitiv wie die integrierte Lesezeichen-Synchronisierung in Chrome/Firefox. Anschließend kann man die Lesezeichen zwischen verschiedenen Browsern/Betriebssystemen synchronisieren. Dabei hat man das gute Gefühl, dass keine Daten in den Clouds von Google bzw. Mozilla gespeichert werden, sondern ausschließlich in der eigenen Cloud.

Synchronisiert ihr eure Lesezeichen bereits über die eigene Nextcloud? Nutzt ihr dafür auch die Browser-Erweiterung floccus, oder habt ihr eine bessere Alternative gefunden? Hinterlasst mir dazu doch einfach einen Kommentar.

Weiterführende Artikel

Links

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