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Nextcloud: Updates richtig durchführen

Nextcloud Logo

Wer seine private Cloud mit Nextcloud betreibt, muss sich natürlich auch um Updates der Cloud-Software kümmern. Der folgende Artikel zeigt, welche Möglichkeiten es gibt, die eigene Cloud zu aktualisieren und welche Methode in welcher Situation gewählt werden sollte.

Als Grundlage dient der Artikel Nextcloud auf Ubuntu Server mit nginx, MariaDB, PHP, Let’s Encrypt, Redis und Fail2ban (gerade bzgl. der Angabe von Dateipfaden). Doch auch bei anderen Konfigurationen (z.B. Apache als Webserver) ist das Vorgehen hier nahezu identisch.

Update-Historie
  • 23.09.2017:
    • Hinweis auf Anpassung der Verzeichnis-Berechtigungen entfernt. Dies wird seitens der Nextcloud-Dokumentation nicht mehr empfohlen (siehe hier).
    • Anleitung für manuelles Update von Nextcloud-Apps entfernt: Benötigte App-Updates werden im Rahmen des Nextcloud-Updates automatisch ausgeführt.

Nextcloud Release Channels – oder: wann sind Updates verfügbar?

Nextcloud verteilt die Updates der Cloud-Software über Release Channels. Dabei kann der Administrator der Cloud in den Einstellungen festlegen, welcher Entwicklungsstand zum Einsatz kommen soll. Hier gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Production: Stabilster Entwicklungszweig, der weitgehend fehlerfrei laufen sollte. Neuerungen werden hier nur nach ausgiebigem Test und Verfügbarkeit in den anderen Release Channels zur Verfügung gestellt. Dies bedeutet auch, dass Versionen im Production Channel bereits etwas älter sein können. Dieser Channel wird für Produktiv-Umgebungen empfohlen, wo Stabilität eine der wichtigsten Anforderungen an die Cloud darstellt.
  • Stable: Stabile Versionen, die sich bereits im Beta-Test bewährt haben. In diesem Channel befinden sich im Allgemeinen die Versionen, die auch auf der Nextcloud Download-Seite zu finden sind. Dies ist der empfohlene Channel für die meisten Benutzer.
  • Beta: Über diesen Channel werden Beta-Versionen und Release Candidates verteilt. Hier sind Fehler in der Software nicht auszuschließen. Nur empfohlen für Leute, die einen Blick auf zukünftige Versionen werfen wollen, bzw. aktiv testen und ggf. Bugs erfassen möchten.
  • Daily: Dieser Channel stellt sog. Daily-Builds bereit, dies sind also immer tagesaktuelle Versionen von Nextcloud. Dieser Channel ist eher für Entwickler gedacht uns sollte daher nicht von normalen Benutzern verwendet werden.

Für den Heimgebrauch ist der Stable Release Channel meist die richtige Wahl. Dieser ist nach einer frischen Nextcloud-Installation auch direkt aktiv. Wenn nun ein neues Update verfügbar ist, wird dies in der Admin-Oberfläche der Cloud angezeigt.

Hinweis: Bei einem Update einer Hauptversion (z.B. Nextcloud 11 auf Nextcloud 12) kann es eine Weile dauern, bis das Update als verfügbar angezeigt wird, auch wenn die neue Version bereits offiziell veröffentlicht wurde.

Backup

Bevor ein Update von Nextcloud durchgeführt wird, sollte ein Backup der kompletten Cloud angefertigt werden. Somit ist man immer auf der sicheren Seite, selbst wenn beim Update etwas schiefgehen sollte.

Wie man Nextcloud am besten sichern (und im Falle des Falles auch wiederherstellen kann), beschreibt der Artikel Nextcloud: Backups erstellen und wiederherstellen – manuell oder per Skript: Neben der manuellen Ausführung von Backups mit wenigen Befehlen auf der Kommandozeile wird hier ebenso die automatische Sicherung (oder Wiederherstellung) per Bash-Skript beschrieben.

Auch wenn das Anfertigen von Backups eher eine lästige Aufgabe zu sein scheint, sollte man diesen Schritt nicht auslassen! Besser, man hat ein Backup zu viel gemacht, als im Ernstfall ohne jegliches Backup dazustehen.

Update durchführen

Es gibt generell drei Möglichkeiten, ein Update der eigenen Cloud durchzuführen. Die einfachste Lösung ist hier, einfach den Web-basierten Updater zu verwenden. Der Updater kann ebenfalls über die Kommandozeile ausgeführt werden. Nur in Situationen, in den der Updater nicht verwendet werden kann, sollte man ein manuelles Update in Betracht ziehen.

Updates mit dem Web-basierten Updater

Der Updater ist direkt in Nextcloud integriert und übernimmt alle Aufgaben, um ein Update durchzuführen. Diesen ruft man über die Admin-Oberfläche „Verwaltung“ auf (über die Schaltfläche Updater öffnen).

Ein Update für Nextcloud ist verfügbar

Ein Update für Nextcloud ist verfügbar

Hier werden zunächst ein paar Informationen angezeigt (aktuell installierte Version, Update-Version und Link zum Update-Archiv). Angestoßen wird das Update durch den Button Start update.

Das Update auf die neue Version kann durchgeführt werden

Das Update auf die neue Version kann durchgeführt werden

Der Updater prüft daraufhin alle Voraussetzungen und lädt das Update herunter.

Hinweis: Sollte bei diesem Schritt eine Fehlermeldung angezeigt werden, dass Schreibrechte auf bestimmte Verzeichnisse/Dateien fehlen, dann stimmen die Verzeichnis-Berechtigungen nicht. Falls dies der Fall ist, müssen diese nochmals explizit gesetzt werden:

Am Ende wird man gefragt, ob der Maintenance-Mode aktiv bleiben soll. Da wir das Update direkt in der Weboberfläche durchführen, kann der Maintenance-Mode hier gleich deaktiviert werden (No (for usage of the web based updater)).

Nachdem der Updater seine Arbeit verrichtet hat, wird man nach einem Klick auf die Schaltfläche Go back to your Nextcloud instance to finish the update auf die eigene Nextcloud-Seite weitergeleitet. Hier wird durch den Button Aktualisierung starten das eigentliche Update durchgeführt.

Nach dem Updater kann die Aktualisierung gestartet werden

Nach dem Updater kann die Aktualisierung gestartet werden

Nach einer kleinen Wartezeit sollte alles erledigt sein und man wird automatisch auf die vertraute Nextcloud-Weboberfläche weitergeleitet.

Den Updater über die Kommandozeile verwenden

Die zweite Möglichkeit besteht darin, den Updater über die Kommandozeile auszuführen. Im Grunde genommen sind die Schritte hier identisch zum Web-basierten Updater.

Dazu wechselt man in das entsprechende Verzeichnis und führt den Updater mit dem Webserver-User (www-data) aus:

Wieder wird die aktuell installierte Version und das verfügbare Update angezeigt.

Nextcloud Updater über die Kommandozeile

Nextcloud Updater über die Kommandozeile

Mit der Bestätigung mit „y“ beginnt der Updater mit dem Download und der Überprüfung der Voraussetzungen. Anschließend wird gefragt, ob man das Update direkt ausführen möchte (Should the „occ upgrade“ command be executed?). Dies kann wieder mit „y“ bestätigt werden.

Am Ende erfolgt noch die Frage, ob der Wartungsmodus aktiviert bleiben soll. In diesem Fall sollte man mit „n“ den Maintenance-Mode deaktivieren, damit die Cloud nach dem Update wieder direkt einsatzbereit ist.

Deaktivierung des Wartungsmodus nach erfolgreichem Update

Deaktivierung des Wartungsmodus nach erfolgreichem Update

Manuelles Update

Wenn der Einsatz der Updater-App nicht möglich sein sollte, dann bleibt als letzte Möglichkeit immer das komplett manuelle Update. Dies muss auch durchgeführt werden, wenn man Updates sofort erhalten möchte, ohne auf die Freigabe in den entsprechenden Release-Channels warten zu müssen.

  1. Wartungsmodus aktivieren: Zunächst wird die Cloud in den Maintenance-Modus versetzt. Dies sorgt dafür, dass während des Updates kein Benutzer mehr aktiv auf der Nextcloud arbeiten kann:
  2. Webserver stoppen: Als nächstes wird der Webserver gestoppt:
  3. Nextcloud-Verzeichnis umbenennen: Damit keine „Altlasten“ von der aktuellen Version mitgenommen werden, wird das alte Nextcloud-Verzeichnis umbenannt (damit diese später einfach gelöscht werden kann). Diesen Ordner bitte nicht sofort löschen, da bestimmte enthaltene Dateien nachher noch benötigt werden!
  4. Neue Version herunterladen und entpacken: Als nächstes wird die neuste Nextcloud-Version heruntergeladen. Den konkreten Download-Link erhält man über die Nextcloud-Homepage:
    Download-Link für Nextcloud

    Download-Link für Nextcloud

    Für die folgenden Befehle müssen dann der entsprechende Link und Dateiname verwendet werden:

  5. Übernehmen der Konfigurations-Datei: Nun wird noch die Konfigurations-Datei aus der alten Nextcloud-Installation übernommen:

  6. Webserver starten: Anschließend kann der Webserver wieder gestartet werden:

  7. Verzeichnisrechte setzen: Vor dem Ausführen des eigentlichen Updates sollten die Verzeichnisrechte noch einmal explizit gesetzt werden:

  8. Update durchführen: Das Update wird nun über den OCC-Befehl im Kontext des Webserver-Users gestartet:

  9. Wartungsmodus deaktivieren: Anschließend kann der Maintenance-Mode wieder deaktiviert werden:

  10. Alte Installation entfernen: Wenn alles geklappt hat, kann man die alten Nextcloud-Dateien entfernen:

Abschließende Tätigkeiten

Nachdem das Update erfolgreich durchgeführt worden ist, sollte man sich nochmal mit dem Administrator-Account in die Cloud einloggen und im Bereich „Verwaltung“ kontrollieren, ob hier Warnungen oder Fehler angezeigt werden.

Ebenfalls sollte kontrolliert werden, ob während des Update-Vorgangs einige Nextcloud-Apps deaktiviert worden sind. Wenn dies der Fall ist, können diese von Cloud-Admin wieder aktiviert werden.

Nach diesen Schritten ist das Update fertig und Nextcloud kann wieder wie gewohnt genutzt werden.

Weiterführende Artikel

Links

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Kommentare: 2

  • Kai sagt:

    Hallo Jan,

    vielen Dank für diesen Artikel. Sobald das nächste Nextcloud Update verfügbar ist, weiß ich genau, welche Webseite ich wieder aufrufen werde!
    Ich finde es auch klasse, wie genau du alles beschreibst. Das hilft mir sehr.

    Viele Grüße
    Kai

  • Bernd sagt:

    Hallo Jan,

    genau richtig! Heute ist die 12.0.3 herausgekommen, ich habe den manuellen Weg gewählt!
    Lief ohne Probleme!
    Danke dafür!

    Gruß Bernd

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