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Nextcloud: Web-Mail mit RainLoop

Nextcloud LogoDie Cloud ist heutzutage ja der zentrale Dreh- und Angelpunkt in der digitalen Welt. Wer es mit Nextcloud geschafft hat, sich aus den Fängen der großen Cloud-Anbieter zu befreien, der möchte sicherlich möglichst viele Features auch über die eigene Cloud nutzen. Neben der Verwaltung von Dateien, Kontakten, Kalendern, u.v.m., ist es mit der App RainLoop auch möglich, die komplette E-Mail-Kommunikation in die selbstgehostete Cloud zu verlegen.

 

 

Update-Historie (letztes Update: 29.09.2018)
  • 29.09.2018:
    • Die RainLoop App für Nextcloud wird nun doch wieder weiterentwickelt und ist somit auch für Nextcloud 14 verfügbar.
  • 23.07.2018:
    • Hinweis mit aufgenommen, dass die RainLoop App für Nextcloud vermutlich nicht mehr weiterentwickelt werden wird.

Web-Mail mit Nextcloud: RainLoop oder Mail-App

Für das Senden und Empfangen von E-Mails stehen im Nextcloud App Store zwei unterschiedliche Apps bereit: RainLoop und die Nextcloud-eigene App Mail.

„Mail“ ist dabei (im Moment noch) ein ziemlich rudimentärer Webmailer mit einem recht geringen Funktionsumfang (beispielsweise ist es damit nicht möglich, E-Mail-Signaturen zu verwenden). Evtl. werden fehlende Funktionen in Zukunft noch nachgereicht. Im Moment taugt die App (meiner Meinung nach) allerdings noch nicht dazu, einen „richtigen“ E-Mail-Client zu ersetzen.

Einen sehr viel größeren Funktionsumfang bietet RainLoop. Dieser Webmailer ist schon seit einiger Zeit auf dem Markt und ist ursprünglich eine eigenständige Webanwendung, die (wie Nextcloud) im Normalfall selbst gehostet wird. Mit der Nextcloud-App gibt es aber nun die Möglichkeit, RainLoop innerhalb von Nextcloud zu nutzen, so dass „alles aus einem Guss wirkt“.

Welche der beiden Webmailer nun der bessere ist, kann man pauschal nicht sagen. Am besten einfach mal beide Apps ausprobieren.

In diesem Artikel soll es nun um die Installation und Konfiguration von RainLoop in Nextcloud gehen. Die Einrichtung ist zwar relativ einfach, dennoch gilt es, einige Schritte zu beachten.

Installation

RainLoop muss nicht separat installiert werden, sondern kann einfach über den Nextcloud App Store bezogen werden. Dazu einfach im App Store unter der Kategorie Kommunikation nach RainLoop suchen und aktivieren.

Nach ein paar Augenblicken sollte die App installiert worden sein und man findet in der Nextcloud-Menüleiste einen zusätzlichen Eintrag für Mail.

Konfiguration

Bevor man RainLoop nun nutzen kann, muss die Anwendung zunächst einmal konfiguriert werden. Dazu findet man in Nextcloud in den Admin-Einstellungen unter Zusätzliche Einstellungen den Punkt Go to RainLoop Webmail admin panel.

Nach einem Klick meldet man sich nun an:

  • Benutzername: admin
  • Passwort: 12345

Ja, dies ist ein Standard-Passwort, dass immer gleich ist und sofort geändert werden sollte. Dazu in das Menü Security wechseln und ein neues Passwort unter Admin Panel Access Credentials vergeben.

Nach diesem vielleicht wichtigsten Schritt können sämtliche anderen Optionen nach Bedarf gesetzt werden. Beispielsweise empfiehlt es sich, unter General Deutsch als Sprache zu wählen, damit die Benutzer eine Deutsche Oberfläche präsentiert bekommen.

Einen Punkt sollte man noch gleich mit anpassen: RainLoop präsentiert auf der Admin-Seite eine Warnung:

Warnung!

RainLoop data folder is accessible. Please configure your web server to hide the data folder from external access. Read more here: https://www.rainloop.net/docs/installation

Hintergrund ist, dass das Datenverzeichnis von RainLoop aus Sicherheitsgründen nicht direkt aus dem Internet erreichbar sein sollte, sondern nur über die Anwendung selbst.

Hier ist es notwendig, eine kleine Anpassung an der Webserver-Konfiguration vorzunehmen. Ich gehe im Folgenden davon aus, dass der Webserver wie im Artikel Nextcloud auf Ubuntu Server 18.04 LTS mit nginx, MariaDB, PHP, Let’s Encrypt, Redis und Fail2ban eingerichtet wurde. Wenn ein anderer Webserver oder eine andere Konfiguration zum Einsatz kommt, müssen die folgenden Schritte evtl. noch ein wenig angepasst werden.

Die Änderung muss im vHost für Nextcloud vorgenommen werden:

Hier fügen wir unter dem letzten location-Block (aber noch vor der schließenden Klammer des server-Blocks) folgenden Inhalt ein:

Durch die Änderungen am vHost muss der Webserver noch neu gestartet werden:

Nun kann man wieder zu RainLoop wechseln und nach einem Refresh der Seite (STRG + F5) sollte die Warnung verschwunden sein.

Einrichtung von E-Mail-Konten

Die Einrichtung von E-Mail-Konten unterscheidet RainLoop von vielen anderen Mail-Clients. Um dem Benutzer möglichst viel Arbeit beim Hinzufügen von Accounts abzunehmen, muss der Administrator Mail-Domains vordefinieren. Die Benutzer können sich daraufhin ganz einfach mit ihrer Mail-Adresse anmelden, ohne die üblichen (technischen) Details wie IMAP/SMTP-Server-Adressen, Ports, etc. kennen zu müssen.

Dazu einfach in der Admin-Oberfläche von RainLoop den Punkt Domains wählen. Hier ist Google Mail bereits aktiv, so dass @gmail.com Adressen ohne weiteres Zutun funktionieren sollten. Wenn man nun E-Mail-Adressen von anderen Anbietern (z.B. GMX, Web.de, etc.) nutzen möchte, dann muss man diese hier als Domain konfigurieren.

Dazu einfach den Button Domain hinzufügen klicken. Wichtig ist nun, dass die komplette Domain als Name eingetragen wird. Bei GMX wäre dies also „gmx.de“ und eben nicht „gmx“, ansonsten ist eine Anmeldung an RainLoop mit einer@gmx.de Adresse nachher nicht möglich. An dieser Stelle können übrigens auch Wildcards verwendet werden: Möchte man daher sowohl Anmeldungen mit @gmx.de und @gmx.net zulassen, kann als Domain einfach „gmx.*“ eingetragen werden.
Die weitere Konfiguration (IMAP- und SMTP-Server, sowie die dazugehörigen Ports, etc.) ist abhängig vom Mail-Provider. Diese Informationen findet man häufig auf den Hilfeseiten der jeweiligen Anbieter (z.B. Serverdaten für IMAP und SMTP bei GMX).

RainLoop: Domain für GMX hinzufügen

RainLoop: Domain für GMX hinzufügen

Webmail-Oberfläche

Die Anmeldung an RainLoop ist für Benutzer dank der „Admin-Vorarbeit“ nun besonders einfach: Im Nextcloud-Menü einfach das Mail-Symbol wählen und sich mit der entsprechenden Mail-Adresse und dem Passwort des Mail-Accounts (nicht das Passwort des Nextcloud-Accounts) einloggen. Nun können sofort Mail geschrieben und empfangen werden.

Bessere Integration in Nextcloud

Leider ist RainLoop als eigenständige Webanwendung (noch) nicht so gut in Nextcloud integriert. Dies merkt man z.B., wenn man eine Mail verfassen möchte: Hier kann man nicht aus den bestehenden Kontakten aus Nextcloud wählen.

Die Integration mit Nextcloud kann daher nicht etwas verbessert werden. RainLoop kann dabei nicht direkt auf die Nextcloud-Kontakte zugreifen, sondern verwaltet diese in einer eigenen Datenbank. Diese muss dazu erst einmal auf der Kommandozeile angelegt werden:

Nach der Eingabe des Root-Passworts kann die Datenbank für RainLoop angelegt werden:

Zurück in der Admin Oberfläche findet man unter dem Punkt Kontakte die Einstellungen zur Verwaltung der Kontakte.

Hier konfiguriert man zunächst einmal die Datenbank-Verbindung:

  • Typ: MySQL
  • DSN: mysql:host=localhost;port=3306;dbname=rainloop_db
  • Benutzer: rainloop_db_user
  • Passwort: Das oben vergebene Passwort

Nun sollte bei einem Klick auf Testen der Button nach ein paar Augenblicken grün werden. Das ist das Zeichen, dass die Datenbank-Verbindung erfolgreich aufgebaut werden konnte.

Zu guter Letzt aktiviert man nun weiter oben noch die Optionen Kontakte aktivieren (damit RainLoop überhaupt Kontakte unterstützt) und Kontakte-Synchronisierung erlauben (mit externem CardDAV-Server). Letzteres wird benötigt, damit die Synchronisierung mit Nextcloud funktioniert.

Nun loggt man sich wieder über Nextcloud auf einen Mail-Account bei RainLoop ein. In den Optionen des Benutzers (Zahnrad unten links) findet man nun den Menüpunkt Kontakte. Hier kann man zunächst einmal die Synchronisierung mit Nextcloud ermöglichen (Remote-Synchronisierung aktivieren).

Die CardDAV-URL findet man in der Kontakte-App von Nextcloud: Einfach beim gewünschten Adressbuch auf das Menü klicken (die drei Punkte) und den Eintrag Link kopieren wählen.

CardDAV-URL in Nextcloud ermitteln

CardDAV-URL in Nextcloud ermitteln

Diese URL kann man dann nebst Benutzername und Passwort (von Nextcloud) in den RainLoop-Kontakte-Einstellungen hinterlegen.

RainLoop: Kontakte (Einstellungen)

RainLoop: Kontakte (Einstellungen)

Die obere Option (Empfänger automatisch zu Ihrem Adressbuch hinzuzufügen) ist ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite ist es sicher praktisch, wenn Mail-Adressen automatisch nach Nextcloud synchronisiert werden, auf der anderen Seite werden kann sämtliche Empfänger-Adressen ungefragt zu Nextcloud übernommen. Wer oftmals Mails an die unterschiedlichsten Empfänger versendet, will diese Option wohl deaktivieren, da ansonsten die Kontakte-App von Nextcloud regelrecht „zugemüllt“ wird.

Nun können die Kontakte zwischen RainLoop und Nextcloud einfach über den Kontakte-Button und das erweiterte Menü (drei Balken) in RainLoop synchronisiert werden.

RainLoop: Kontakte synchronisieren

RainLoop: Kontakte synchronisieren

Fazit

RainLoop ist ein fortschrittlicher Webmailer mit einem gut durchdachten Konzept und einfacher Bedienung. Zwar merkt man hier und da, dass RainLoop als eigenständige Web-Anwendung neben Nextcloud läuft, dennoch klinkt sich der Webmailer nahtlos in die eigene Nextcloud ein.

Wer seine Mails direkt über Nextcloud verwalten möchte und keinen „schwergewichtigen“ E-Mail-Client wie Outlook oder Thunderbird nutzen möchte, der wird mit RainLoop auf jeden Fall auf seine Kosten kommen.

Weiterführende Artikel

Links

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Kommentare: 7

  • Servus!

    Toller Artikel, vielen Dank. Mir ist aufgefallen, dass 127.0.0.1 nicht akzeptiert wurde, wohingegen localhost schon.

    Test fehlerhaft:
    mysql:host=127.0.0.1;port=3306;dbname=rainloop_db

    Test erfolgreich:
    mysql:host=localhost;port=3306;dbname=rainloop_db

    Viele Grüße, Carsten

    • Jan sagt:

      Hi Carsten,

      seltsam, bei mit hat 127.0.0.1 immer funktioniert. „localhost“ dürfte er aber auch jeden Fall akzeptieren.
      Ich habe es mal im Artikel geändert, danke für den Hinweis.

      Gruß,
      Jan

  • Christian Engel sagt:

    Leider finde ich Rainloop nicht im Nextcloud AppStore. Sie scheint entfernt worden zu sein. Was ist der Grund dafür?

    Wie kann ich ohne den Appstore Rainloop in Nextcloud bzw. auf Syno installieren?

    Kann mir jemand das App-Paket, das zuvor im Appstore stand, zusenden oder einen Link geben?

    Als letzte Möglichkeit sehe ich, die Installation direkt im Webserver der Syno vorzunehmen.

    Gruß
    KriCrack

    Meine CFG: Synology DS415+, Nextcloud 12…

    • Jan sagt:

      Hi Christian,

      leider wird das RainLoop-Plugin für Nextcloud nicht mehr weiterentwickelt, wenn sich kein neuer Maintainer für das Projekt findet (siehe GitHub).
      Das kommt nun auch für mich völlig überraschend. Daher würde ich momentan erst einmal abwarten und RainLoop für Nextcloud nicht installieren. Evtl. ist ja auch die Mail-App eine Alternative.

      Du kannst RainLoop natürlich auch als eigenständige Web-Anwendung neben Nextcloud installieren. Hier fehlt dann halt nur die direkte Integration in Nextcloud. Mal sehen, vielleicht bereite ich da mal einen Artikel vor, der die genaue Vorgehensweise beschreibt.

      Gruß,
      Jan

  • Frank sagt:

    Hallo Jan
    Super Anleitung…kennst du in diesem Zusammenhang eine gute Anleitung für einen eigenen Mailserver (z.B. mit Postfix) auf Basis deiner Anleitung zu Nextcloud auf Ubuntu Server 18.04 LTS?
    Grüsse
    Frank

    • Jan sagt:

      Hi Frank,

      um einen eigenen Mail-Server habe ich immer einen Bogen gemacht, da dies doch sehr aufwendig ist. Auch wenn die Einrichtung klappt, hat man dann immer Probleme, dass die Mails deines privaten Mailservers nicht als Spam abgetan werden.
      Als Alternative habe ich für mich allerdings die „Light-Variante“ mit sSMTP für mich entdeckt (siehe Artikel hier). Das ist sehr viel weniger Aufwand, weil hier einfach ein beliebiger SMTP-Server dahinter steht.

      Gruß,
      Jan

    • anderer Jan sagt:

      Moin Frank,
      für einen Mailserver solltest auf jeden Fall prüfen, ob du diesen wirklich auf demselben Server wie deine NextCloud betreiben möchtest.

      Ich fand die folgende Anleitung ganz verständlich und gut:
      https://thomas-leister.de/mailserver-debian-stretch/
      Ist zwar auf Debian, wahrscheinlich aber vieles analog zu übernehmen.

      Grüße
      Jan

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