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Zweite Web-Anwendung neben ownCloud/Nextcloud einrichten (am Beispiel WordPress)

Zweite Web-Anwendung neben ownCloud/Nextcloud einrichten (am Beispiel WordPress)

Der Artikel über ownCloud auf nginx, MariaDB und PHP hat mittlerweile sehr viel Zuspruch gefunden. Hier wurde die Konfiguration des Webservers darauf ausgelegt, dass der Administrator neben ownCloud bzw. Nextcloud auch noch andere Web-Anwendungen auf dem gleichen Server betreiben kann. Hierzu gibt es immer wieder Fragen, wie dies am besten realisiert werden kann. Im folgenden Artikel soll daher exemplarisch die Vorgehensweise zur Einrichtung von WordPress neben ownCloud/Nextcloud gezeigt werden.

WordPress dient dazu lediglich als Beispiel für eine PHP-Anwendung, daher wird hier nicht weiter auf die Details der Konfiguration und Absicherung des Content-Management-Systems eingegangen. Das gezeigte Konzept sollte allerdings auch auf andere Web-Applikationen übertragbar sein. Wenn es mal nicht klappen sollte, liefert der Artikel Tipps und Tricks zur Fehlersuche.

Kein WordPress? Hinweise für andere Web-Anwendungen

Andere Anwendungen haben im Vergleich zu WordPress evtl. andere Anforderungen an den Webserver. Daher kann es notwendig sein, dass für andere Applikationen eine leicht geänderte Herangehensweise bzw. zusätzliche Schritte notwendig sind. (Allgemeine) Hinweise hierzu gibt es immer in einem separaten Dropdown-Text wie diesem hier.

 

Update-Historie
  • 07.10.2017:
    • Einrichtung für FHEM hinzugefügt.
  • 09.10.2017:
    • Genauere Beschreibung, wo die Anpassungen an der wp-config.php vorgenommen werden müssen
    • location-Block für WordPress angepasst (location ^~ /wordpresslocation ^~ /wordpress/).
  • 26.10.2017:
    • open_basedir im virtuellen Host für WordPress angepasst, so dass auch ein Upload von Dateien möglich ist.
  • 07.11.2017:
    • Virtuellen Host für WordPress angepasst, so dass nun auch anders aufgebaute Permalinks für WordPress möglich sind.

Ausgangssituation

Als Basis dient die Konfiguration, die im Artikel ownCloud 9 auf Ubuntu Server 16.04 LTS mit nginx, MariaDB, PHP 7 und Let’s Encrypt gezeigt wird. Daher sollte der Artikel bereits bekannt sein, weil nicht mehr auf spezielle Details der Konfiguration eingegangen wird.
Folgende Programmversionen kommen hier zum Einsatz:

  • Ubuntu Server 16.04.1 LTS („Xenial Xerus“)
  • nginx 1.11.3
  • MariaDB 10.1.17
  • PHP 7

Das Tutorial zu ownCloud weist dabei mehrere Besonderheiten auf, welche die Flexibilität des Webservers erhöhen, leider aber auch die Komplexität:

  • Zunächst sollen die einzelnen Anwendungen in einem Unterverzeichnis des Webroots (https://owncloud9tutorial.goip.de) liegen. So erfolgt der Aufruf von ownCloud beispielsweise über https://owncloud9tutorial.goip.de/owncloud.
  • Zum anderen werden alle Client-Anfragen zunächst von einem zentralen Gateway-Host entgegengenommen – über die Standard-Ports 80 (HTTP) und 443 (HTTPS). Neben diesem Gateway-Host gibt es darüber hinaus für jede Web-Anwendung (z.B. ownCloud/Nextcloud) einen einzelnen virtuellen Host, der sich exklusiv um diese Applikation kümmert. Der Gateway-Host nutzt nun die Reverse-Proxy-Fähigkeiten von nginx (proxy_pass), um die Anfragen der Clients an die jeweiligen (Anwendungs-)Hosts weiter zu leiten.
  • Die gesamte Kommunikation soll dabei nur über gesicherte SSL-Verbindungen möglich sein (HTTPS). Alle HTTP-Anfragen werden daher zu HTTPS weitergeleitet. Für die Kommunikation mittels HTTPS kommt dabei ein Zertifikat von Let’s Encrypt zum Einsatz.

Im Folgenden werden Dateinamen, URLs, o.ä. analog zum ownCloud-Tutorial benannt. Auf diese Weise können die Zusammenhänge am besten dargestellt werden.

Virtuellen Host für WordPress anlegen

Für WordPress soll (wie schon für ownCloud) ein eigener virtueller Host zuständig sein. Angelegt wird dieser über folgenden Befehl. Der Dateiname ist an dieser Stelle egal, er muss nur auf .conf enden, damit diese Konfiguration von nginx geladen werden kann.

Hier wird nun die (minimale) Konfiguration des Webservers für WordPress hinzugefügt:

Wichtig: Für diesen virtuellen Host sind folgende Punkte zu beachten:

  • Der server Block behandelt nur HTTP-Anfragen, also kein HTTPS. Wovon allerorts abgeraten wird, macht hier Sinn, da sich der Gateway-Host (und nur dieser!) um die HTTPS-Kommunikation kümmert. Nach außen hin wird auch WordPress später ausschließlich mittels HTTPS zu erreichen sein.
  • listen 127.0.0.1:83 und server_name 127.0.0.1: Damit wird angegeben, dass dieser Host nur über die Loopback-Adresse (127.0.0.1) angesprochen werden kann. Dadurch ist es nicht möglich, diesen „von außen“, d.h. ohne den Gateway-Host passiert zu haben, zu erreichen.
    Ebenfalls von Bedeutung ist die Port-Angabe (83): Jeder virtuelle Host muss hier seinen eigenen Port bekommen. Da der ownCloud-Host in der Beispiel-Konfiguration bereits auf Port 82 lauscht, nehmen wir hier einfach die nächste Port-Nummer.
  • Es gibt einen umgebene location Block (location ^~ /wordpress {…}). Innerhalb dieses Blocks sind alle anwendungsspezifischen Anweisungen enthalten. Diese sind dann analog zu einer Standalone-Installation, d.h. wenn WordPress über eine Domain (ohne Unterverzeichnis) als einzige Webanwendung auf dem Server laufen würde (diese Konfiguration findet man in zahlreichen Online-Tutorials). Der einzige Unterschied ist hierbei, dass alle enthaltenen location Blöcke mit der Pfadangabe /wordpress ergänzt werden müssen.
  • Der für PHP-Dateien zuständige location Block setzt mit fastcgi_param PHP_VALUE explizit die Variable open_basedir. Dadurch kann der Host für WordPress (bzw. die dazugehörenden PHP-Skripte) nur auf das eigene Verzeichnis zugreifen. Andere PHP-Anwendungen haben hier im Vergleich ihre eigene Definition von open_basedir mit jeweils eigenen Verzeichnissen.
Hinweise für andere Web-Anwendungen

Der gezeigte virtuelle Host stellt eine minimale Konfiguration für WordPress dar. Andere Web-Applikationen benötigen hier u.U. andere und/oder zusätzliche Anweisungen. Dies wird besonders klar, wenn man sich dagegen den virtuellen Host für ownCloud ansieht.

Leider ist diese Konfiguration von Applikation zu Applikation verschieden. Einen guten Anhaltspunkt erhält man dabei meist über eine Google-Suche (<Name der Anwendung> nginx, z.B. Koken nginx).

Erweiterung des Gateway-Hosts

Damit die Weiterleitung vom Gateway-Host zum WordPress-Host funktionieren kann, muss der Gateway-Host noch bearbeitet werden:

Die WordPress-Installation soll später unter der URL https://owncloud9tutorial.goip.de/wordpress erreichbar sein. Dazu muss an dieser Stelle ein separater location Block eingefügt werden (direkt unter dem Block für ownCloud):

Diese Anweisungen sorgen dafür, dass sämtliche Anfragen an https://owncloud9tutorial.goip.de/wordpress an den virtuellen Host für WordPress weitergeleitet werden.

Wichtig: Die eigentliche Weiterleitung verbirgt sich hinter dem proxy_pass. Hier gibt es drei Dinge zu beachten:

  • Die Weiterleitung erfolgt auf die Loopback-Adresse 127.0.0.1. Auf dieser Adresse lauscht der virtuelle Host für WordPress.
  • Der Port (hier 83) muss mit der Port-Angabe des virtuellen Hosts für WordPress übereinstimmen.
  • Die Weiterleitung erfolgt über HTTP (nicht HTTPS). Der Gateway-Host übernimmt das HTTPS-Handling, die Hosts für die einzelnen Web-Anwendungen laufen (intern) über HTTP.

Wenn man den Gateway-Host bearbeitet, sollte man auch gleich kontrollieren, ob hier der Handler für PHP zu finden ist. Folgende Zeilen sollten in der Datei ganz oben stehen:

Falls nicht, ist der Handler vermutlich in der Config-Datei für ownCloud zu finden (owncloud9tutorial.goip.de_owncloud.conf). In diesem Fall muss der Handler im ownCloud-Host gelöscht werden und im Gateway-Host neu hinzugefügt werden. Er darf auch nicht mehrfach in unterschiedlichen virtuellen Hosts enthalten sein.

Hinweise für andere Web-Anwendungen

Wie schon im virtuellen Host der Web-Applikation kann es sein, dass eine andere Anwendung abweichende oder zusätzliche Angaben für die Weiterleitung benötigen. Trotzdem sollte die hier gezeigte Weiterleitung in den meisten Fällen funktionieren bzw. einen guten Ansatzpunkt bieten.

Installation WordPress

Nachdem der Webserver nun für die neue Anwendung vorbereitet wurde, ist es nun an der Zeit, WordPress zu installieren.

Anlegen der Datenbank

WordPress ist ein Datenbank-gestütztes Content-Management-System und so sollte die Datenbank bereits vor dem ersten Aufruf angelegt werden. Dazu wird die Verwaltung für MariaDB/MySQL aufgerufen:

Nach der Eingabe des Root-Passworts kann die Datenbank mit folgenden Befehlen angelegt werden:

Dabei sorgt die Angabe localhost dafür, dass der Zugriff auf die Datenbank nur vom lokalen Rechner aus möglich ist.

WordPress Dateien herunterladen und Anpassen der Verzeichnisrechte

Als nächstes besorgen wir uns die aktuelle Version von WordPress und entpacken diese in das Verzeichnis /var/www/wordpress. Die Pfadangabe hinter /var/www muss dabei identisch zur Pfadangabe im entsprechenden virtuellen Host sein. Siehe umgebener location Block (location ^~ /wordpress {…}) im Host für WordPress.

Nun werden auch gleich die entsprechenden Verzeichnisrechte:

Anpassen der wp-config.php

Das Blog-System speichert die grundlegenden Einstellungen in der Datei wp-config.php im WordPress-Verzeichnis. Dazu muss erst einmal die Beispiel-Konfiguration kopiert und angepasst werden:

Hier muss zunächst einmal die bereits angelegte Datenbank bekannt gemacht werden (Name der Datenbank, Benutzername und dazugehöriges Passwort):

Wenn wir schon mal in der Config von WordPress sind, dann können wir gleich noch zwei Sicherheits-relevante Änderungen vornehmen. Dazu gehört zum einen die Anpassung der Authentifizierungs-Keys. Dazu ruft man zunächst den Key-Generator im Browser seiner Wahl auf (WordPress-Key-Generator) und übernimmt diese Inhalte einfach per Copy & Paste in den Bereich Authentication Unique Keys and Salts in die wp-config.php.

Zum anderen kann man an dieser Stelle den Tabellen-Prefix für WordPress ändern. Standard ist hier wp_. Dies sollte nach Möglichkeit gleich geändert werden, am Besten in eine Bezeichnung, die keine Rückschlüsse auf WordPress zulässt:

An dieser Stelle bitte nicht einfach den Code übernehmen, sondern ein eigenes Prefix vergeben.

WordPress: Aufruf und Setup

Nachdem WordPress nun mitsamt Datenbank und Konfiguration eingerichtet ist, sollte das Content-Management-System einsatzbereit sein. Bitte diesen Abschnitt vorher komplett lesen, da es hier nochmal einige Fallstricke gibt, die im weiteren Verlauf aufgelöst werden können. Mit diesen Erkenntnissen muss man dann nicht mehr den „Umweg“ per Trial & Error gehen.

WordPress-Setup: erster Versuch

Weil Änderungen an den virtuellen Hosts vorgenommen wurden, muss der Webserver zunächst einmal neu gestartet werden:

Wenn man danach allerdings in freudiger Erwartung die WordPress-URL aufruft (https://owncloud9tutorial.goip.de/wordpress), erlebt man einen herben Rückschlag:
Das WordPress-Setup wird zwar angezeigt, allerdings sieht die Seite komisch aus – sämtliche Formatierungen und Bilder scheinen zu fehlen. Offensichtlich werden die CSS-Dateien für die Formatierung von Text und Seite nicht korrekt geladen. Ein Blick in die Log-Datei von nginx (/var/log/nginx/error.log) liefert jedoch keinen Hinweis darauf, dass es beim Aufruf dieser Dateien zu Problemen kommt. Dies ist schon mal ein Hinweis darauf, dass es nicht an der Struktur des virtuellen Hosts für WordPress liegt.

Ein weiteres Indiz: Wenn man einen Blick auf den Seitenquelltext wirft (z.B. in Chrome: Rechtsklick auf freien Bereich der Website > Seitenquelltext anzeigen) und die URL einer konkreten CSS-Datei kopiert, lässt sich diese im Browser eingeben und der Dateiinhalt  wird anschließend korrekt geladen. Die Dateien werden also vom Webserver definitiv richtig ausgeliefert.

Den entscheidenden Hinweis liefert erst die Developer-Konsole von Chrome (Shortcut: F12): Der Browser hat Mixed Content erkannt (HTTP/HTTPS) und den vermeintlich unsicheren (HTTP-)Inhalt blockiert.

Chrome: Fehlerhafte Anzeige wegen Mixed Content

Chrome: Fehlerhafte Anzeige wegen Mixed Content

Wie sich (nach langer Web-Recherche) herausstellt, handelt es sich hier um ein Problem von WordPress selbst: URLs von CSS- oder auch JavaScript-Dateien (*.js) werden hier absolut mittels einer Basis-URL angegeben. Durch das Konstrukt von Gateway-Host und Anwendungs-Host (letzterer wird intern nur über HTTP aufgerufen) ergibt sich hier die Problematik mit Mixed Content. Besser wäre es, wenn WordPress die URLs relativ angeben würde…

Die Lösung

Nun wollen wir natürlich nicht den Quellcode von WordPress direkt anpassen. Das Problem lässt sich aber zum Glück auch anderweitig in den Griff bekommen: Mit einem Zusatz in der wp-config.php weisen wir WordPress an, dass sämtliche Anfragen, die per HTTPS kommen, auch über HTTPS beantwortet werden. Dazu fügen wir in der wp-config.php ganz am Anfang, aber nach dem <?php (wichtig!) – also am besten nach dem großen Kommentar-Block ganz am Anfang – folgende Zeilen hinzu:

Nach dem Speichern der Datei kann die URL im Browser aktualisiert werden und wird nun korrekt angezeigt:

WordPress-Setup - komplett mit Formatierungen und JavaScript

WordPress-Setup – komplett mit Formatierungen und JavaScript

Wozu der Umweg?

Den Umweg (erster Aufruf, Nachbesserung und zweiter Versuch) kann man sich natürlich sparen, wenn man weiß, wo hier die Probleme liegen. Die geschilderten Ausführungen zeigen jedoch bewusst den Weg, den man bei der Einrichtung einer weiteren Web-Applikation gehen würde. Dies soll ein deutlicher Hinweis darauf sein, dass man schnell mit Problemen konfrontiert wird, die bei einer Standalone-Installation so nicht auftreten sollten und man ein wenig rumprobieren muss, bis man letzten Endes zum Ziel kommt. Gerade wenn das Problem zunächst einmal nichts mit der Konfiguration des Webservers bzw. der virtuellen Hosts zu tun hat (z.B. falsch angegebene location Blöcke), muss man ggf. die Anwendung selbst bzw. deren Konfiguration anpassen.

Hinweise für andere Web-Anwendungen

Die notwendigen Änderungen sind dabei ganz individuell von der jeweiligen Applikation abhängig! Manchmal funktioniert es out-of-the-box und es sind keine weiteren Anpassungen nötig, manchmal aber eben nicht. Daher gibt es hier leider keine allgemeingültige Lösung, die für jede Anwendung passt.

Weitere Schritte in WordPress

Auch wenn WordPress nun soweit funktioniert, sollte man sich um die Sicherheit des Blog-Systems kümmern. In diesem Artikel wurden nur grundlegende Anpassungen bzw. der Sicherheit durchgeführt (z.B. Erzeugen der Authentication Keys oder auch das Ändern des Prefixes für WordPress-Tabellen).

Eine komplette Beschreibung der Optimierung und Absicherung von WordPress würde den Rahmen des Artikels sprengen. Hier liefert folgende Artikel-Serie eine Menge Infos und Anregungen: WordPress absichern.

Prinzipiell sollte man sich grundlegend mit der gehosteten Applikation vertraut machen und gezielte Optimierungen vornehmen.

Tipps & Tricks

Die in diesem Artikel gezeigten Schritte gelten (zumindest grundlegend) auch für andere Web-Anwendungen.

Wenn es dabei mal hakt, sollten folgende Tipps dabei helfen, das Problem schnell zu erkennen und zu beseitigen:

Neustart Webserver/PHP-FPM

Wenn gemachte Änderungen anscheinend keinerlei Auswirkungen zu haben scheinen, dann fehlt vermutlich ein Neustart bestimmter Dienste:

Nach Anpassungen an virtuellen Hosts sollte nginx immer neu gestartet werden:

Wenn es hierbei bereits zu Fehlern kommt (erfahrungsgemäß sind dies dann einfache Tippfehler in einem der Hosts), hilft ein Testen der Konfiguration mit:

Der Befehl zeigt die betroffene Datei und die genaue Stelle, an dem das Problem aufgetreten ist.

Falls Änderungen an der PHP-Konfiguration durchgeführt werden müssen (eher unwahrscheinlich), dann sollte auch der Dienst für PHP neu gestartet werden:

Log-Dateien kontrollieren

Bei auftretenden Problemen lohnt meist ein Blick in die Log-Dateien. Gerade bei HTTP-Statusfehlern (z.B. Fehler 403) sollte hier ein erster Ansatzpunkt zu finden sein. Dies liegt meistens an einer falschen Webserver-Konfiguration (virtuelle Hosts). Die zu prüfenden Logs sind dabei:

  • nginx Fehler-Log: /var/log/nginx/error.log
  • Log der Web-Anwendung: Wo dieser zu finden ist, hängt von der jeweiligen Anwendung ab

Developer-Konsole (Browser)

Falls keine Hinwiese in den Log-Dateien zu finden sind, hilft (wie in diesem konkreten Beispiel mit WordPress) ein Blick in die Developer-Konsole des verwendeten Browsers. Diese wird meistens über den Shortcut F12 gestartet (Chrome, Firefox, Internet Explorer). Die Vorgänge beim Laden einer Seite findet man meistens in einem Tab Konsole bzw. Console.

Web-Suche

Dieser Tipp ist zwar offensichtlich, soll aber trotzdem nicht unerwähnt bleiben: Die Konfiguration unter nginx mit einem Gateway-Host ist recht ungewöhnlich und unterscheidet sich z.T. erheblich von einer Standalone-Konfiguration (oftmals beschreiben Tutorials lediglich die Einrichtung unter nginx unter dem Webroot, bzw. als Subdomain). Eine Web-Suche nach <Anwendung> nginx SSL Proxy sollte Ergebnisse liefern, die zumindest die grobe Richtung des Unterfangens weisen.

Vorgehenswiese für andere Web-Applikationen

Nun seid ihr gefragt: Habt ihr andere Anwendungen mit der Konfiguration mit einem Gateway-Host und einzelnen (spezialisierten) virtuellen Hosts zum Laufen bekommen? Dann hinterlasst doch einen Kommentar oder schreibt mir besser noch eine E-Mail mit detaillierten Anweisungen. Ggf. wird der Artikel dann um konkrete Anweisungen für weitere Web-Applikationen erweitert.

FHEM

FHEM ist eine Software zur Heimautomatisierung, mit der verschiedenste Geräte/Protokolle verwaltet werden können. Damit wird klar, dass man hier besondere Vorsicht walten lassen muss, wenn die eigene Heimautomatisierung über das Internet erreichbar sein soll – es soll ja schließlich nicht jeder Zugriff auf die IT in den eigenen vier Wänden haben.

Die Installation der Software ist auf der FHEM-Homepage recht gut beschrieben. Hier geht es zwar um ein  Paket für Debian, dies ist aber auch für andere Linux-Distributionen zu verwenden.

Daher wird dringend empfohlen, den Zugriff auf FHEM per Basic Authentication abzusichern. Dies kann direkt in FHEM erledigt werden, dennoch bevorzuge ich die Absicherung über den Webserver selbst.

Um die Basic Authentication einzurichten, muss zunächst einmal ein Paket installiert werden (ja, es ist ein Apache-Modul, aber dies wird auch für nginx verwendet):

Als nächstes wird eine .htpasswd-Datei generiert:

Für MeinBenutzer sollte der Benutzer angegeben werden, der später Zugriff auf FHEM haben soll. Anschließend wird nach einem Passwort gefragt, welches nochmals bestätigt werden muss.

Nach der Installation von FHEM kann die Heimautomatisierung auf drei verschiedenen Wegen aufgerufen werden:

  • serverhostnameoderIP:8083: Optimierte Oberfläche für Desktop-PCs.
  • serverhostnameoderIP:8084: Optimierte Version für Smartphones.
  • serverhostnameoderIP:8085: Optimierte Darstellung für Tablets.

Diese drei Möglichkeiten sollen nun auch über nginx abgebildet werden. Da der Webserver von außen nur über die Ports 80 und 443 erreichbar ist, soll für jede Darstellung ein eigenes Verzeichnis auf dem Webserver dienen.

Dazu wird zunächst ein virtueller Host für FHEM angelegt:

Der Inhalt der Datei sieht folgendermaßen aus (wie immer muss der Port bei listen sich von allen anderen Ports der virtuellen Hosts unterscheiden):

Die if-Anweisung im location-Block für fhem ist zwar etwas unschön, wird aber für den Zugriff per Websocket benötigt. Dies muss im Prinzip nur eingestellt werden, wenn die Oberfläche von FHEM ständig aktuell gehalten werden soll (siehe FHEMWEB). Wenn Websockets auch für den Zugriff über Smartphone/Tablets verwendet werden sollen, sind diese Zeilen auch in die anderen location-Blöcke zu übernehmen.

Als nächstes folgt der Gateway-Host:

Hier fügen wir am Ende die Anweisungen für FHEM hinzu:

Hier kommt auch die zuvor angelegte .htpasswd-Datei zum Einsatz, die den kompletten Zugriff auf FHEM begrenzt. Wie schon für den vHost für FHEM ist hier eine „Spezialbehandlung“ für Websockets notwendig.

Nun wird der Webserver noch neu gestartet, damit die Änderungen übernommen werden:

Anschließend kann FHEM über die drei URLs aufgerufen werden:

  • https://owncloud9tutorial.goip.de/fhem: Version für Desktop-Rechner.
  • https://owncloud9tutorial.goip.de/fhemphone: Darstellung für Smartphones.
  • https://owncloud9tutorial.goip.de/fhemtablet: Optimierte Version für Tablets.

Netdata

Netdata ist eine Monitoring-Anwendung, die es erlaubt, Daten (wie z.B. Auslastung, Zugriffe auf einen Webserver, etc.) von einem Server übersichtlich darzustellen und auszuwerten. Demo-Anwendungen zu Netdata sind hier zu finden.

Um Netdata als Web-Applikation zu installieren, muss es neben den benötigten Paketen die Anwendung selbst zunächst einmal installiert werden:

Nach der Installation kann Netdata konfiguriert werden:

Beispielsweise kann hier in der [global] Sektion festgelegt werden, wie umfangreich die History der erfassten Daten sein soll. Dazu den Kommentar bei der folgenden Zeile entfernen:

Um das sog. Kernel Samepage Merging zu aktivieren, sind dann folgende Schritte notwendig: In der Datei /etc/rc.local sind diese Zeilen zu ergänzen:

Um Netdata nun in der Konfiguration mit einem nginx Gateway-Host zum Laufen zu bekommen, muss zunächst einmal der Gateway-Host ergänzt werden:

Hier wird wie gewohnt eine Weiterleitung an einen nicht belegten Port des Webservers hinzugefügt:

Die eigentliche Arbeit übernimmt ein spezieller vHost für Netdata:

Dabei sieht der Inhalt der Datei wie folgt aus:

Zum Abschluss der Installation sollte sowohl Netdata, als auch nginx neu gestartet werden:

Der Aufruf erfolgt dann über ein Unterverzeichnis des Webservers: http://owncloud9tutorial.goip.de.conf/netdata

Zu guter letzt kann Netdata auch über Skripte upgedated (oder sogar deinstalliert werden):

Um ein Update vollautomatisch per Cronjob erledigen zu lassen, ist dieser wie folgt anzulegen:

Vielen Dank an Hans für die umfangreiche Anleitung!

Roundcube

Roundcube ist eine Anwendung für Webmail über IMAP. Leser Adrian K. hat dazu eine Konfiguration entwickelt, die es erlaubt, Roundcube neben ownCloud/Nextcloud auf dem gleichen Server laufen zu lassen.

Der Gateway-vHost wird dazu analog zu ownCloud/Nextcloud erweitert (hier wird z.B. der freie Port 83 für die Weiterleitung verwendet):

Für Roundcube wird anschließend ein eigenständiger vHost verwendet:

Vielen Dank an Adrian für die Konfiguration.

shellinabox

shellinabox ist ein Terminal, welches über eine Weboberfläche aufgerufen werden kann.

Um shellinabox mit einen Gateway-Host laufen zu lassen, ist erstmal eine Anpassung in der Konfiguration von shellinabox notwendig (nano /etc/default/shellinabox):

Besonders der letzte Parameter (–disable-ssl) ist hier wichtig, da der proxy_pass vom Gateway-Host an shellinabox unverschlüsselt über HTTP läuft. Dies ist aber kein Sicherheitsrisiko, da die Verschlüsselung „eine Ebene höher“ vom Gateway-Host übernommen wird.

Darüber hinaus sind folgende Erweiterungen im Gateway-vHost notwendig (angenommen, Port 83 ist noch nicht belegt):

Der vHost speziell für shellinabox sieht dabei folgendermaßen aus:

Weiterführende Artikel

Links

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Kommentare: 66

  • Murderhead sagt:

    Hay Jan,

    Danke für die Rückmeldung.

    Habe es hinbekommen.

    Falles wer wissen möchte wie man seinen Admin-/Benutzernamen ändern kann hier eine „Mini-Anleitung“ anhand der Daten aus der Anleitung von Jan. Natürlich lassen sich auch andere Nutzernamen dort ändern indem man die jeweilige ID anpasst.

    sudo mysql -u root -p
    MeInPasSw0rT
    use wordpress_db
    show tables;
    SELECT ID, user_login, user_pass FROM ow5n6_users;
    UPDATE ow5n6_users SET user_login = „wordpress_db_new_user_name“ WHERE ID = 1;
    SELECT ID, user_login, user_pass FROM ow5n6_users;
    exit

    Grüße

  • Meiko sagt:

    Hallo Jan,

    echt toll deine Anleitungen! Habe nun zum ersten Mal einen Linux Server am Laufen. Mit Nextcloud und WordPress parallel im Betrieb.

    Jetzt komme ich allerdings nicht weiter. Ich möchte den WordPress Admin Bereich und das Login durch auth_basic sichern. Die Datei htpasswd habe ich erzeugt und mit generierten Daten gefüllt. Aber wie sieht mein location Eintrag aus? Und wo genau kommt der hin?

    Danke dir!
    Meiko

    • Jan sagt:

      Hi Meiko,

      ein Basic-Auth nachträglich hinzuzufügen ist prinzipiell kein Problem. Allerdings ist der Admin-Bereich in WP ja bereits durch ein Passwort geschützt. Man hätte dann immer eine zweimalige Passwort-Abfrage.

      Erst einmal brauchst du dazu folgendes Paket:
      apt-get install apache2-utils

      Danach lässt du eine htaccess-Datei generieren (wenn dein User z.B. „Admin“ heißt):
      sudo htpasswd -c /etc/nginx/htpasswd/.htpasswd_wpadmin Admin
      Hier wirst du dann zwei mal nach einem Passwort gefragt.

      Zum Schluss wird die Datei noch in den WP-vHost eingebunden. Dazu eine neue Location anlegen:
      location /wordpress/wp-admin/ {
      auth_basic "Authorization Required";
      auth_basic_user_file /etc/nginx/htpasswd/.htpasswd_wpadmin;
      }

      Den Webserver anschließend neu starten und nun sollte der Admin-Bereich zusätzlich durch Basic-Auth gesichert sein.

      Gruß,
      Jan

      • Meiko sagt:

        Großartig! Das hat jetzt geklappt. Ich hatte es zuvor mit einem online-generierten Inhalt der htpasswd nicht hinbekommen. Dann muss es daran gelegen haben. Vielen Dank.

  • Kai sagt:

    Hallo Jan,
    hättest du Lust eine Erweiterung für den RSS-Reader miniflux hinzuzufügen? 🙂
    Viele Grüße
    Kai

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