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Dunkle Wolken in der Cloud: ownCloud vs Nextcloud aus Benutzersicht

ownCloud vs NextCloudViele ownCloud-Nutzer haben es sicherlich mitbekommen: Frank Karlitschek (ownCloud-Gründer und Geschäftsführer der ownCloud GmbH/CTO der ownCloud Inc.) und einige weitere Entwickler haben vor einiger Zeit das ownCloud-Projekt verlassen und einen Fork (Abspaltung) von ownCloud mit dem Namen Nextloud erstellt. Daneben wurde auch ein gleichnamiges Unternehmen gegründet.

Für viele dürfte dieser „Knall“ aus heiterem Himmel gekommen sein, da es zuvor keinerlei Anzeichen dafür gab. Nun stellt man sich natürlich die Frage, auf welches Pferd man setzen sollte: ownCloud oder doch besser Nextcloud.

Genau darum soll es in diesem Artikel gehen. Ich werde zwar keine direkte Empfehlung dazu abgeben (können), aber ich möchte die Sache mal aus Sicht eines (ownCloud-)Users betrachten und die Geschehnisse hinterfragen. Da die Fakten allerdings recht spärlich gesät sind, ist hier auch eine gehörige Portion Spekulation mit im Spiel. Vieles in diesem Beitrag stellt daher meine persönliche Meinung dar.

Was ist passiert?

  • 08.03.2016: ownCloud 9 Release: bisher stabilste Version, als User hatte man so langsam das Gefühl, dass nun alle Kinderkrankheiten beseitigt sind (Link)
  • 27.04.2016: Frank Karlitschek verlässt das ownCloud-Projekt (Link)
  • 31.05.2016: Ankündigung der ownCloud-Stiftung (Link)
  • 02.06.2016: Ankündigung Nextcloud (Link)
    Am gleichen Tag muss die ownCloud Inc. (der amerikanische Ableger der ownCloud GmbH) mit sofortiger Wirkung schließen, da der Haupt-Kreditgeber in den USA die Keditlinie gestrichen hat – 8 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Die ownCloud GmbH ist davon nicht betroffen (Link)
  • 14.06.2016: Veröffentlichung von Nextcloud 9 (Link)
  • 14.07.2016: Eine Frankfurter Investorengruppe (aus dem Bereich der Immobiliengeschäfte) übernimmt die ownCloud GmbH. Anscheinend wird auch das Geschäft der ownCloud Inc. übernommen (Link)

Wie kam es zur Gründung von Nextcloud?

Diese Frage ist leider nicht leicht zu beantworten. Neben Frank Karlitschek haben auch weitere bekannte Personen aus dem ownCloud-Projekt ihren Ausstieg bekannt gegeben, um zu Nextcloud zu wechseln (Björn Schiessle, Arthur Schiwon, Jan-Christoph Borchardt, Jos Poortvliet, Lukas Reschke, Morris Jobke). Eine genaue Begründung für diesen massenhaften Exodus kann man aber aus keinem der Beiträge herauslesen.

Auf der anderen Seite erfährt man in der offiziellen Stellungnahme der ownCloud GmbH, dass man dort sehr überrascht und auch enttäuscht sei, dass der ehemalige Geschäftsführer mit den abgeworbenen Entwicklern ein Konkurrenzprodukt zu ownCloud auf den Markt bringt. Deutlich härtere Worte spricht dagegen die Ex-Mitarbeiterin Carla Schoder (ownCloud Inc.) in ihrem Blog.

Ich möchte mich hier nun nicht an Spekulationen beteiligen, die Wahrheit liegt wie immer wohl irgendwo dazwischen.

Wozu eine ownCloud-Stiftung?

Laut Wikipedia ist eine Stiftung „eine Einrichtung, die mit Hilfe eines Vermögens einen vom Stifter festgelegten Zweck verfolgt“. Im Rahmen von ownCloud soll die Stiftung das Ökosystem rund um die Cloud verwalten, die Weiterentwicklung sicherstellen/lenken und die Community stärken. Wer sich die komplette Satzung (in Englisch) durchlesen will, kann dies auf der offiziellen Seite der ownCloud-Stiftung tun.

Klingt auf den ersten (und auch auf den zweiten) Blick eher schwammig. „Stärkung der Community“ hört sich dabei noch am besten an, dennoch fragt man sich, wie dies in der Praxis geschehen soll: Der Vorstand der Stiftung wird aus vier Vertretern von Unternehmen (die jährliche Gebühren zu zahlen haben), einem Vertreter der ownCloud Inc. und zwei gewählten Community-Mitgliedern bestehen. Damit man als Community-Mitglied überhaupt etwas zum ownCloud-Core beisteuern kann (Sourcecode, Dokumentation, etc.) muss man darüber hinaus noch ein Contributor Licence Agreement (CLA) unterzeichnen. Mit diesem CLA räumt man allerdings die Rechte ein, dass Teile des Codes für Kunden (gegen Zahlung) re-lizensiert werden können. Im schlimmsten Fall kann dies zu einer proprietären Weiterentwicklung dieses Codes führen. Entwickler, die ihre Freizeit für das Projekt opfern, aber diesen „Zirkus“ nicht mitmachen wollen, haben damit keinerlei Möglichkeit, größeren Einfluss auf das Projekt zu nehmen.

Richard Brown, der Vorstandsvorsitzende von openSUSE, fasst dies recht drastisch auf Twitter zusammen: „Die Regeln sehen so aus, als hätten sie einen Blick auf die Regeln von openSUSE geworfen und dann gesagt: ‚Lasst uns alles entfernen, was gut für den Einfluss der Community ist‘„. Ziemlich harte Worte, zumal die Stärkung der Community eines der Hauptziele der Stiftung ist.

Wird ownCloud dadurch besser?

Eines der größten Probleme von ownCloud ist meiner Meinung nach die Stabilität. Nach so gut wie jedem Update muss man feststellen, dass irgendetwas nicht richtig funktioniert. Nun ist wieder Rumprobieren angesagt, bis wieder alles (halbwegs) rund läuft. Für Bastler und Tüftler sicherlich eine Herausforderung, für den normalen ownCloud-User eher eine Zumutung.
Aber vielleicht ist der normale User ja auch Bastler/Tüftler, wer weiß. 😉

Nur durch die Stiftung wird sich daran nicht viel ändern. Hier muss sich eher etwas an Entwicklungs-Workflow und am Qualitätsbewusstsein ändern, damit es besser werden kann.

Was will Nextcloud besser machen?

Mit Nextcloud will man nun vieles besser machen (siehe Ankündigung Nextcloud 9):

  • Nextcloud bringt Enterprise-Features (die bei ownCloud nur in der kostenpflichtigen Enterprise-Version enthalten sind) in die Community-Edition, da auch (viele) Enterprise-Features Open Source sein werden. Damit entfällt das Konzept der Dual-Lizensierung, das bei ownCloud bis dato verfolgt wurde.
  • Nextcloud will die Community wirklich in den Vordergrund stellen: Hemmnisse wie eine CLA gibt es hierbei nicht.
  • Die Feature- und Release-Planung soll nicht mehr hinter verschlossenen Türen erfolgen, sondern öffentlich sein, damit jeder etwas dazu beitragen kann.
  • Die Apps für Kalender und Kontakte, welche meiner Meinung nach immer eine große Baustelle bei ownCloud waren, werden direkt von Nextcloud unterstützt.
  • Die Nextcloud GmbH soll auf Nachhaltigkeit ausgelegt sein, anstatt den Profit in den Vordergrund zu stellen.

Bei ownCloud bleiben, oder zu Nextcloud wechseln?

Das ist hier wohl die zentrale Frage. Dennoch kann ich will ich an dieser Stelle keine allgemeine Empfehlung dazu angeben. Zunächst einmal wird einem der Umstieg sehr einfach gemacht: Momentan ist Nextcloud ein Drop-In-Replacement für ownCloud, d.h. eine Migration von ownCloud hin zu Nextcloud kann einfach und schnell durchgeführt werden. Doch das wird schätzungsweise nicht immer so bleiben, wenn beide Lösungen individuell weiterentwickelt werden und somit auseinanderlaufen werden.

Für einen Umstieg spricht, dass Nextcloud vieles im Vergleich zu ownCloud besser machen will. Doch von den geplanten Änderungen wird der (private) Benutzer sicherlich erst einmal nicht unmittelbar betroffen sein. Für diesen ist in erster Linie die Stabilität und Sicherheit der Software am wichtigsten. Ob diese Anforderungen von Nextcloud erfüllt werden können, wird erst die Zukunft des Projekts zeigen.

Dennoch sollte man sich vor Augen führen, dass hauptsächlich wieder die gleichen Personen für Nextcloud verantwortlich, die ownCloud zu dem gemacht haben, was es ist (sowohl im positiven als auch im negativen Sinn). Wer kann nun garantieren, dass es beim zweiten Anlauf besser werden wird? Auch diese Frage kann wohl erst in Zukunft beantwortet werden.

Aus technischer Sicht ist ein Fork dank Open Source kein Problem: Wenn die Rahmenbedingungen oder Entwicklung eines Projekts nicht mehr passen, dann wird ein Fork erstellt, der sich unabhängig vom ursprünglichen Projekt entwickeln kann (dies war z.B. auch bei MySQL/MariaDB und OpenOffice/LibreOffice der Fall).
Man sollte aber auch nicht vergessen, dass durch die Aufspaltung in zwei Cloud-Lösungen wird auch die Community gespalten wird. Da eine private Cloud jedoch nach wie vor eher eine Nischen-Lösung für den Privat-Anwender ist, kann dies u.U. zu einem Problem werden, wenn die Community einfach nicht groß genug ist, um sich für zwei Projekte aufzuteilen.

Am Ende bleibt noch zu sagen, dass jeder für sich selbst entscheiden muss, ob ein Wechsel auf Nextcloud sinnvoll ist. Aber vielleicht konnte der Artikel ein paar Hintergrund-Informationen vermitteln, die bei der Entscheidung helfen können.

Was ist eure Meinung zu dem Thema? Ich bin gespannt auf eure Kommentare.

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Kommentare: 4

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